Ein Besuch im Erstorientierungskurs

Im Unterrichtsraum in der Bohlschule sitzen 10 Personen, der Altersdurchschnitt liegt bei Mitte Dreißig. Die Köpfe sind tief gebeugt über die Arbeitsblätter, es geht um den Alltag in Deutschland. Die Stimmung ist gut, die Frauen und Männer lachen viel und unterstützen sich gegenseitig. Dass ausnahmslos alle vor einem schrecklichen Angriffskrieg flüchten mussten, merkt man nicht.

Die Teilnehmer:innen mit ihrer Kursleiterin.

Sie erzählen ihre Geschichten: Eine Teilnehmerin floh mit ihrem fünfjährigen Sohn; sie ist Grafikdesignerin und musste alle persönlichen Unterlagen und Nachweise zurücklassen. Bevor sie in ihrer neuen Heimat arbeiten kann, möchte sie gut Deutsch lernen. Sie liebt Deutschland und bezeichnet Aalen bereits als ihre „Mutterstadt“. Was sie dringend braucht, ist ein Kindergartenplatz, damit sie in einen Intensivkurs wechseln kann. Eine Buchhalterin aus Kiev konnte ihren 15jährigen Sohn bereits in der Schillerschule unterbringen. Sie kennt die neue Heimat schon ganz gut, war bereits in Stuttgart und Ulm und ist begeistert von der Natur und der schönen Umgebung auf der Ostalb.

Als die Sprache auf das Essen kommt, strahlen alle: Maultaschen und Spätzle sind lecker, sogar der „Obatzda“ schmeckt ihnen, am besten mit крендель (Krendel), wie die Brezel auf Ukrainisch heißt.

Viele Dinge haben sie in der neuen Heimat überrascht: zum Beispiel die strikten Ladenöffnungszeiten – in der Ukraine sind viele Geschäfte rund um die Uhr geöffnet. Oder die kurzen Betreuungszeiten im Kindergarten: in ihrem Heimatland können Eltern ihr Kind ab 7:00 Uhr in den Kindergarten bringen und bis 20 Uhr abholen. Das viele Papier überwältigt alle hier: In ihrem Land gehe viel mehr elektronisch und papierlos, generell herrsche hier viel mehr Bürokratie. Auf der Habenseite hat Deutschland das gute Verkehrssystem, die klare Beschilderung und die Menge an Spielplätzen zu verzeichnen.

Die Gruppe fürchtet, dass der Krieg noch lange dauern wird und es keine Rückkehr zum Leben davor geben wird, zu ihrem Leben vor dem 24. Februar 2022.

Auf die Frage, welche Botschaft sie der vhs mitgeben möchten, antworten sie: ein großes Dankeschön an alle Deutsche, an die Regierung und alle, die helfen.

Seit Mitte März hat die vhs Aalen bereits 11 Erstorientierungskurse für Geflüchtete eingerichtet. Im Vordergrund steht das Zurechtfinden im Alltag, der Stoff wird auf einem möglichst niedrigen Sprachniveau vermittelt. Der Spracherwerb erfolgt eher nebenbei. Die Kursleiterin Monika Brocks freut sich, dass sie ihre Qualifikation als Lehrerin sinnvoll einbringen und dazu beitragen kann, dass sich die Teilnehmenden möglichst schnell Fuß fassen in ihrer neuen Heimat, dem Ostalbkreis.

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