Zeitgemäß: Geklöppelte Kunst

„Klöppeln – ein altes Handwerk“: So heißt unser Kurs, der seit über 10 Jahren von Gabriele Rahm geleitet wird. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Klöppeln? Einfach gesagt, brauchen wir fürs Klöppeln vier Dinge: Holzstäbe, die Klöppel heißen; Garn, das auf diesen aufgewickelt wird; ein Klöppelkissen bzw. eine -rolle; außerdem ein Klöppelbrief, auf dem das Muster zu sehen ist und der also anzeigt, was geklöppelt wird. Der Klöppelbrief wird auf Pappe aufgeklebt, mit selbstklebender Folie überklebt und dann auf das Klöppelkissen bzw. die -rolle aufgesteckt. Die Klöppel mit dem Garn werden über Nadeln auf dem Kissen eingehängt. Und dann wird mit Kreuzen und Drehen bzw. Drehen und Kreuzen der Klöppel das Muster mit Garn geformt. Neben Klöppelbriefen gibt es auch technische Zeichnungen mit Farbcode: Grün, violett, rot, gelb und blau sind international gültig und zeigen die Schläge an; die Grundschläge heißen dabei Ganzschlag, Halb- und Leinenschlag, und aus Kombinationen dieser Schläge entstehen ganz verschiedene Muster. Und ganz verschiedene Produkte: Natürlich kann man Spitzendecken klöppeln, doch auch Schals, Kragen, Einsätze für Kleider sowie Dekomotive, z.B. für Taschen, sind möglich, und sogar Schmuck aus Metallgarn. Das „Ausgangsgarn“, mit dem man beginnt, ist ein Leinengarn, das es in unterschiedlichen Stärken gibt, daneben kann man auch Baumwollgarn, Seide und Effektgarn verarbeiten.

So sieht Klöppeln aus: Klöppelbrief auf Klöppelkissen, zahlreiche Klöppelpaare (Video: Gabriele Rahm)

Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Klöppeln erstmalig in Italien erwähnt, auch in Deutschland ist das Handwerk schon seit mehreren Jahrhunderten bekannt. Es gab und gibt weiterhin Orte und Gegenden, in denen das Handwerk besonders gepflegt wird: Dazu gehören zum Beispiel das Erzgebirge, Abenberg bei Nürnberg, Roth und auch die Schwäbische Alb. Gabriele Rahm entdeckte das Klöppeln vor vielen Jahren bei ihrer Nachbarin in Mögglingen. Das Material, das Holz und das Garn faszinierten sie. Sie besuchte dann 10 Jahre lang Klöppelkurse in Schwäbisch Gmünd und entschied sich 2004 dafür, beim Deutschen Klöppelverband die Ausbildung zur Kursleiterin zu absolvieren. Diese beinhaltete 3 Kurse mit jeweils 10 Tagen, in denen Grundtechniken, technische Zeichnung, Briefentwurf und Spitzentechniken erlernt wurden, außerdem gibt es Kurse zur Randgestaltung, Farbe, Struktur, Form und Raum. Für die Ausbildung reiste sie nach Wernau sowie ins hessische Weilburg. In diesen Ausbildungskursen erhielt sie natürlich einen viel größeren Überblick über die zahlreichen Klöppelmöglichkeiten, als es in einem Kurs möglich ist. An der vhs Aalen unterrichtet Gabriele Rahm seit 2008. Damals startete sie mit 3 vollen Kursen, heute gibt es einen Kurs, von denen einige Teilnehmerinnen von Anfang an mit dabei sind, andere vor kurzem erst neu eingestiegen sind. Die Kenntnisse sind also unterschiedlich. Doch das ist im Kurs kein Problem. Jede klöppelt das, was sie kann und möchte, und Gabriele Rahm steht ihr dabei mit ihrer Hilfe, Geduld und ihrem Können zur Seite. Auch sie selbst lernt immer Neues dazu, denn da es über 40 Klöppelspitzenarten gibt, hört das Lernen eigentlich nicht auf.

Neues entdecken können Klöppelbegeisterte zum Beispiel beim jährlichen Klöppelkongress, der vom Deutschen Klöppelverband organisiert wird und dieses Jahr in Gunzenhausen stattfand, wie immer am Wochenende nach Ostern. Der Deutsche Klöppelverband wurde übrigens 1983 gegründet und hat sich Bewahrung, Pflege, Erforschung und Förderung des alten Kunsthandwerks auf die Fahnen geschrieben. Dafür bietet er zum Beispiel Kurse an und gibt Fachliteratur sowie drei Mal pro Jahr die Zeitschrift „die Spitze“ heraus. Der Kongress, der dieses Jahr zum 38. Mal stattfand, gilt als Höhepunkt der jährlichen Aktivitäten.   

Beim Kongress gibt es zum einen die Händlerhalle, in der man sich mit Klöppelbriefen, Kissen, Klöppel und Garn eindecken kann. Das restliche Jahr bestellt man diese Dinge im Internet. Außerdem findet man Ausstellungen mit unterschiedlichen Themen: natürlich verschiedene Spitzen, dann gab es die Themen Asien, Superhelden, christliche Symbole, Schmuck für Hals und Schulter sowie Taschen. Dazu wurde man während des Kongresses in der nahegelegenen Burg Abenberg, die ein Klöppelmuseum beinhaltet, von großen geklöppelten Augen empfangen.

Geklöppelte Augen auf der Burg Abenberg (Foto: Gabriele Rahm)

Und der Klöppel-Nachwuchs? Für Kinder gibt es Kurse und Wettbewerbe beim Deutschen Klöppelverband. Und auch bei Gabriele Rahm wurde man früher fündig. Mehrere Jahre lang hat sie innerhalb des Sommerferienprogramms in Mögglingen Kurse für Kinder angeboten, die stark nachgefragt wurden. Leider reichte die Zeit oft nicht, weil die Kurse nur wenige Tage dauerten und es so schwer war, die Schläge zu lernen und dann noch ein Muster alleine zu klöppeln. Doch in Bezug auf Motorik, Fantasie, Kreativität und Geduld ist Klöppeln für alle ein Gewinn, nicht nur für Kinder.

Wer jetzt das Klöppeln selbst mal ausprobieren möchte, findet hier den nächsten Kurs von Gabriele Rahm, der im September startet. Zum Ausprobieren ist es möglich, beim ersten Termin unverbindlich zu schnuppern. Seien Sie neugierig und probieren Sie etwas Neues aus!

Mensch ärgere dich nicht (Foto: Gabriele Rahm)

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