Kunst und Gesundheit an unserer vhs

Claudia Hinsen ist stellvertretende Leiterin der vhs und außerdem für mehrere Fachbereiche, darunter Gesundheit sowie Kunst und Kreativität zuständig. Sie ist seit 1991 an unserer vhs. Wir haben nachgefragt, wie die beiden Bereiche sich in dieser Zeit entwickelt haben und was sie verbindet.

Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte begann Claudia Hinsen, an der vhs Aalen zu arbeiten. Damals wurde eine Kunsthistorikerin gesucht, die den Bereich Kunst und Kreativität leiten sollte. Voraussetzung für die Stelle war allerdings, dass sie auch den Bereich Gesundheit übernehmen würde. Diese Herausforderung hat sie angenommen und dann, durch Einarbeitung ins Thema, entdeckt, wie spannend der Bereich ist und wie viel Spaß und Freude er bereiten kann. Sogar die Ausbildung fürs Betriebliche Gesundheitsmanagement hat sie vor 10 Jahren absolviert.

Claudia Hinsen in ihrem Büro im Torhaus.

Als sie hier in Aalen zu arbeiten begann, gab Claudia Hinsen auch selbst Vorträge zu Kunstgeschichte. Und es gab auch ganz allgemein viel mehr Vorträge zu den verschiedensten Themen; zwei bis drei Mal pro Woche waren Referent:innen, die oft von außerhalb kamen, im Haus. Heute ist dieses Format nicht mehr so populär wie damals. Der unabhängige Medienkonsum und die ständige Abrufbarkeit von Informationen haben den Vortrag, bei dem man sich über ein bestimmtes Thema informiert, abgelöst. Vorträge gibt es natürlich weiterhin, aber längst nicht mehr so häufig. Was sich auch geändert hat: Damals gab es den Hype des Museumsbesuchs; mit vollen Bussen, darin auch ganze Familien, fuhr man von Aalen nach Tübingen, nach Mannheim, nach München zu verschiedenen Ausstellungen.

Geändert hat sich auch die Größe und die Bedeutung ihrer beiden Bereiche: Früher war Kunst und Kreativität viel größer als der Gesundheitsbereich. In den 1990er Jahren war Malen ein großer Trend, während die ersten Yogakurse argwöhnisch und skeptisch betrachtet wurden, weil Yoga zu der Zeit (zu) esoterisch erschien. Doch gerade durch Yoga- und Entspannungskurse ist der Gesundheitsbereich aktuell sehr groß. Heute geht es („leider“, sagt Claudia Hinsen) viel weniger um Kunst und viel mehr um den Körper, um Achtsamkeit, Stressreduktion und Selbstoptimierung. Und genau dadurch ist der Gesundheitsbereich auch legitimer Bestandteil des vhs Angebots – er hilft uns, gut und gesund mit uns umzugehen.

Doch wodurch werden Kunst und Kreativität, kulturelle Bildung legitimiert? Dies ist der einzige Bereich der vhs, den man auf den ersten Blick nicht besuchen „muss“: Sprachen und EDV benötigen wir heutzutage; die berufliche Bildung bringt uns in unserer Karriere weiter, und auch die Notwendigkeit von Gesundheit wird nicht angezweifelt. Kunst bzw. kulturelle Bildung ist jedoch nicht offensichtlich anwendungsorientiert – der einzige Fachbereich, der nicht zwangsläufig einen „Sinn“ haben muss, sondern auch mal „Un-Sinn“ sein darf. Kulturelle Bildung, Kreativität ist durch Achtsamkeits- und Kreativitätsbildung legitimiert, so hat auch sie ihren „Sinn“. Doch sie wird ebenso dadurch legitimiert, dass sie den Kreativen selbst etwas gibt; bei der Kunst kann man frei sein und seine eigenen Ausdrucksmöglichkeiten finden.

Dass der Gesundheitsbereich mir selbst und meinem Körper gut tut, kann nicht angezweifelt werden. Im Yoga, im autogenen Training und im Qi-Gong erdet man sich, ist im Moment und findet den eigenen Rhythmus, kann sich selbst und seine Gedanken sortieren; im Gegensatz zur „Kopfarbeit“, die wir alle täglich leisten, ist man ganz bei sich und seinem Körper.

Genau das kann auch die Kreativität leisten: In Kreativkursen tu ich mir selbst etwas Gutes (der Spruch „Stricken ist mein Yoga“ kommt also nicht von ungefähr). Kreativität – sei es Malen, Töpfern, Nähen oder Kalligraphie – bedeutet Abtauchen in den Prozess, hinein in den Flow, ganz bei sich sein und auch sich selbst ausprobieren. Man arbeitet mit allen Sinnen; man sieht nicht nur das entstehende Produkt, sondern kann es auch tatsächlich in den Händen halten. Da wir alle immer mehr Kopfmenschen sind und unsere Arbeitsprodukte oft nicht haptisch greifen können, ist die Kreativität eine Gegenwelt dazu, die wir benötigen und in der wir zu uns finden können. In Kreativkursen lernt man die Techniken, um den eigenen Ausdruck zu finden – das sind doch schöne (und auch überzeugende) Gründe, mal wieder zu Pinsel, Ton, Stricknadeln und ähnlichen Utensilien zu greifen, um der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen.

Eine letzte Anmerkung: Wer mitgerechnet hat, hat gemerkt, dass Claudia Hinsen dieses Jahr ein Jubiläum hat: Seit 30 Jahren ist sie an unserer vhs tätig. Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Jahre!

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