Kinderbücher in zwei Sprachen

Zur Zeit veranstalten wir zusammen mit der Stadtbibliothek zweisprachige Kinderbuchlesungen. Wir haben Sarah Ripp, die Leiterin der Kinderbibliothek, deshalb mal ein paar Fragen über Kinderbücher gestellt.

Bei Literatur denken wir an dicke Bücher mit vielen Seiten und unzähligen Wörtern, die zusammen eine Geschichte ergeben. Wie würden Sie Kinderliteratur beschreiben?

Auf jeden Fall ist die Welt der Kinderliteratur bunter als die der Erwachsenen. Hier ist es noch selbstverständlich, dass Bilder beim Textverständnis helfen. Aber natürlich gibt es bei den Kinder- und Jugendromanen auch dicke Wälzer voller Wörter ohne irgendwelche Bilder. Doch wer mit Bilderbüchern gelernt hat, bebilderte Texte zu erfassen, schafft das dann als Erwachsener umgekehrt genauso – den Text erfassen und die Bilder dazu im Kopf erzeugen. Kinderbücher sind meiner Meinung nach also eine wichtige Grundlage, um sich später die „Literatur für Erwachsene“ (z. B. Zeitung, Lehrbücher, …) erschließen zu können.

Was macht den Reiz von Kinderbüchern aus – ganz allgemein und für Sie persönlich?

Dass Kinderbücher so vielfältig sind wie das Leben und die Erfahrungswelt der Kinder: Vom Umgang mit Behinderung, Migration, Homosexualität, Umweltschutz, bis hin zu Patchwork-Familien, gleichgeschlechtliche Eltern-Paare, Trennung oder Tod eines Eltern- oder Großelternteils – es ist toll, wie sensibel und aufgeschlossen sich Autoren diesen Fragen widmen. Ich finde es wichtig, dass wir als Bibliothek diese Themenvielfalt im Kinderbuch auch abbilden. Und aus den gleichen Gründen sind Kinderbücher auch etwas für Erwachsene: sie vermitteln Werte, erweitern den Horizont, wecken Empathie für andere (Mensch oder Tier) und geben Orientierungshilfe – das können Erwachsene genauso gut gebrauchen wie Kinder. Und dann ist es doch toll, wenn man selber Kinder hat (oder vielleicht gerne Kindern als Lesepate vorliest) und die Geschichten, die man selbst gemocht hat, dann mit jemandem teilen kann. Für mich persönlich ist das Lesen von Kinderbüchern eine schöne Gelegenheit, sich wieder für eine Weile in die eigene Kindheit zu versetzen, als man z. B. mit „Krabat“ von Otfried Preußler die Weihnachtsferien verbracht hat.

Sarah Ripp mit Max Lesedachs und Flamingo.

Haben Sie ein Lieblingskinderbuch, aus der Kindheit oder auch jetzt? Und einen Tipp für alle Kinder?

Als ich noch nicht lesen konnte, war mein Lieblingsbuch „Pony, Bär und Apfelbaum“ von Sigrid Heuck. Mittlerweile ein Kinderbuchklassiker bei den Bildwörterbüchern und heute noch erhältlich im Thienemann-Esslinger-Verlag. Heute mag ich die Lieselotte-Geschichten von Alexander Steffensmeier und warte jedes Mal gespannt auf ein neues Abenteuer mit der Postkuh.

„Der Räuber Hotzenplotz“ ist meiner Meinung nach ein Buch, das jedes Kind mal lesen sollte, oder zumindest sollte es ihm vorgelesen werden. Und dazu die Verfilmungen von 1974 und/oder 2006 ansehen.

Warum ist Vorlesen so wichtig?

Vorlesezeit ist geschenkte Zeit. Diese Momente, gemeinsam eine Reise in eine Geschichte zwischen den Buchdeckeln unternommen zu haben, bewahrt man sich ein Leben lang. Ich glaube, Menschen jeden Alters mögen es gerne, etwas vorgelesen zu bekommen, da es eine Auszeit und ein Ausbruch aus dem Alltag sein kann.

Immer wieder liest man von Studien, die nachweisen, dass Kinder, denen viel vorgelesen wird, später bessere Leser sind und das Lesenlernen leichter fällt. In unserer Informationsgesellschaft ist es eine wichtige Schlüsselkompetenz um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, es mitzugestalten und auch kritisch zu betrachten. 

Was ist das Besondere am zweisprachigen Vorlesen?

Wahrscheinlich spiegelt es das Privatleben vieler mehrsprachigen Familien am besten wider. Beide Sprachen werden nebeneinander gesprochen und gleichwertig behandelt. In der Öffentlichkeit spielt oft nur die Landessprache eine Rolle. Beim zweisprachigen Vorlesen haben die Kinder dann eine ganz neue, ungewohnte Situation. Sie bekommen vorgelesen, in der Öffentlichkeit, von fremden Personen und dann auch noch in beiden Sprachen, die auch zu Hause gesprochen werden. Das ist doch ein besonderes Erlebnis! Insbesondere für einsprachige Kinder, die den Klang einer Geschichte (oft zum ersten Mal) in einer anderen Sprache erleben.

Wer die Lesungen selbst erleben möchte, hat dazu noch folgende Gelegenheiten:

Spanisch https://www.vhs-aalen.de/programm/525-C-6155408

Französisch https://www.vhs-aalen.de/programm/525-C-6155462

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: