Unsere internationale vhs

Unsere Volkshochschule ist nicht nur in ihrem Angebot international – wir haben auch ein internationales Team, auf das wir sehr stolz sind. Heute erzählt uns Ina Hall von ihren Wurzeln in der ehemaligen UdSSR.

Sie wurde in Tadshikistan, in der Stadt Ordshonikidseabad geboren. Das Leben dort war nicht immer einfach, wie sich aus den Erzählungen der Familie schließen lässt. Eine Freundin der Mutter von Ina Hall nähte etwa einst ein Umstandskleid für sich selbst, das dann von weiteren Frauen im Dorf getragen wurde, weil es sonst keine Alternativen gab.  Oder die Oma, die auf einem Bazar einen Kinderwagen für die Enkelkinder bestellte in der Hoffnung, dass überhaupt einer ankommt – wie er aussehen würde, war völlig egal. Am Ende hatte sie Glück; ein Kinderwagen wurde geliefert und von allen Enkeln genutzt.

Ina Hall mit ihrem Vater damals in der UdSSR.

Als in Tadshikistan 1990 ein Bürgerkrieg ausbrach, flüchtete die Familie von Ina Hall nach Deutschland. Da war sie vier Jahre alt. Nach einem Aufenthalt in Berlin kam die Familie dann nach Baden-Württemberg. Hierher, genauer gesagt nach Ulm, reichten die Wurzeln des Opas von Ina Hall. Einige Familienangehörige lebten auch schon hier im Ländle, was das Ankommen etwas leichter machte.

Für die Familie blieb die russische Kultur auch in Süddeutschland wichtig. Der Vater von Ina Hall legte großen Wert darauf, dass zu Hause Russisch gesprochen wurde, damit die Kinder die Sprache nicht verlernten. Für die kleine Ina war das nicht immer verständlich, schließlich, dachte sie, lebten sie doch jetzt in Deutschland! Heute weiß sie zu schätzen, was der Vater ihr Wertvolles mit auf den Weg gegeben hat (wir übrigens auch). Ina Hall spricht mit unseren Kund:innen gerne Russisch und kann so weiterhelfen, wo Deutschkenntnisse vielleicht mal fehlen.

Auch der Kontakt mit den Verwandten in Russland konnte durch diese Sprachkenntnisse erhalten bleiben. Ina Halls Großmutter lebt auch heute noch in der Nähe von Moskau, und mit ihrer Cousine dort verbindet Ina Hall eine enge Freundschaft.

Daheim gibt es bei Ina Hall immer noch russische Gerichte, wenn auch nicht mehr ganz so oft wie in der Kindheit. „Die russische Küche,“ erzählt sie, „ist sehr aufwändig und braucht seine Zeit.“

Auch die beiden Töchter von Ina Hall lernen die russische Kultur ihrer Mama kennen. Die Kinder wachsen mehrsprachig auf (neben Deutsch und Russisch lernen sie auch Englisch, denn ihr Papa wiederum hat amerikanische Wurzeln). Viele russische Feiertage werden zumindest angesprochen. Auch wenn die Familie sich alles in allem „sehr eingedeutscht“ fühlt, ist für Ina Hall ihre russische Familiengeschichte auch heute noch eine große Bereicherung. Sie findet, dass das Wichtigste ist, offen zu sein. „Offen für andere Kulturen und Sitten – nur dadurch kann man seinen persönlichen Horizont erweitern.“

Das unterschreiben wir als Volkshochschule genau so.

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