Über die Kunst des Schreibens

Stare sammeln sich

Im Garten das Partyzelt,

Musik längst verhallt…

Das Haiku, eine japanische Gedichtform, ist das Steckenpferd von Thomas Opfermann, Dozent für verschiedene Schreibkurse an unserer vhs und Verfasser des obigen Gedichts.

Haikus sind dreizeilige Gedichte, die eine momentane Naturbeobachtung enthalten und keine Intention in sich haben – das bedeutet, die Interpretation ist offen und leserabhängig, nicht festgelegt. Anders gesagt: Jeder liest etwas anderes in solch einem Gedicht; das eigene Kopfkino ist gefragt. Genau dieser Unterschied zwischen Haiku und deutscher Lyrik – die Offenheit und das Fehlen einer Intention – macht für Thomas Opfermann die Faszination der japanischen Gedichtform aus. Die Ursprünge des Haiku waren Notizen japanischer Wandermönche, die ihre Naturbeobachtungen festhielten.

Und über Haikus kam Thomas Opfermann zum Schreiben, zu seiner Liebe für Literatur und damit zum Studium der Literaturwissenschaft. An der vhs ist er Dozent für Schreibkurse, und zwar an bundesweit etwa 30 Standorten. Er reist dafür jedoch nicht quer durch die Republik, denn die Kurse finden online auf unserer Lernplattform vhs.cloud statt, und zwar als individuelle Online-Schulung.

„Es gab immer mal wieder in früheren Jahren Schreibwerkstätten zu unterschiedlichen Themen, die aber leider immer nur sehr schwach besucht waren“, sagt Claudia Hinsen, Leiterin des Fachbereichs Kultur und Kreativität. „Sicher profitieren die Teilnehmenden dabei sehr von dem Austausch untereinander und erhalten dadurch ein Feedback auf ihre eigenen Texte, aber nicht jede*r traut sich, dies in einer großen Runde zu offenbaren.“ Durch die individuelle online Betreuung ist das professionelle Feedback ganz auf die Teilnehmer*innen, ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten und auf ihre Weiterentwicklung ausgerichtet.

Es können verschiedene Kurse gebucht werden: „Kreatives Schreiben“ fordert die Teilnehmer*innen mit Aufgaben wie ABC-Gedichten, Schüttelreimen und anderen Sprachspielen heraus, die oftmals in „echten“ Gedichten und Geschichten münden. Beim Kurs zu „Kurzgeschichten“ geht es natürlich ums Schreiben, aber auch um den Aufbau und die Planung ebendieser. Der „Haiku“-Kurs führt, mit (literatur-)geschichtlichem Hintergrundwissen, in die japanische Gedichtform ein, während die „Stilmittelkunde“ den Teilnehmenden neben dem Schreiben von Gedichten wichtige Lyrik-Begriffe näherbringt. Und auch eine individuelle Autorenschulung lässt sich buchen, wenn man zwar Erfahrung hat, aber beim Schreiben Tipps und eine weitere Meinung haben möchte.

Im letzten Jahr war Thomas Opfermann Herausgeber des Bandes „Haikulese 2020“, das 30 Haikus von drei Autor*innen enthält. In diesem Jahr brachte er „Blütenlese 2021“ heraus, ein Band mit 35 Kurzgeschichten von 12 Autor*innen – alles Teilnehmer*innen aus seinen Online-Schulungen. Er selbst kümmert sich ums Korrekturlesen, um den Verlag und um alles, was zur Publikation dazugehört. Wenn das kein Anreiz ist, die eigenen Geschichten und das eigene Können aus der Schublade herauszuholen!

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