Eine Universität in Adana, Türkei

Vor einigen Wochen haben wir hier im Blog Border Crossings vorgestellt, ein Theater aus Irland, das mit uns in einem internationalen Projekt zusammenarbeitet. Heute stellen wir Euch einen zweiten Partner vor: die Universität von Çukurova in der Türkei, oder genauer: Dr. İlke Şanlıer Yüksel und Dr. Aydın Çam.

Die beiden arbeiten im Zentrum für Migrations- und Entwicklungsforschung, kurz MIGCU. MIGCU wurde im März 2019 gegründet und widmet sich der Inklusion durch Bildung, Forschung und Zusammenarbeit. MIGCU ist in Adana angesiedelt, der fünfgrößten Stadt in der Türkei. In Adana leben mehr als 250.000 Einwanderer aus aller Welt. Das sind 12% der Einwohner*innen!

Moschee in Adana. Photo by A. G. Aslan on Unsplash

Dr. İlke Şanlıer Yüksel ist die Gründungsdirektorin von MIGCU. Sie forscht vor allem zur Soziologie der Migration und der Filmgeschichte. Dr. Aydın Çam ist Teil des MIGCU-Teams und konzentriert sich auf Themen der Kommunikations- und Medienforschung.

Das MIGCU spielt eine ganz besonders wichtige Rolle in unserem Projekt. Wir wollen neue Methoden zur Teilhabe in der Weiterbildung ausprobieren, gerade mit Blick auf vielfältige kulturelle Identitäten. Das MIGCU wird uns dabei wissenschaftlich begleiten. „Wir werden den Erfolg der angewandten Methoden evaluieren,“ erklärt Dr. Yüksel und verspricht: „Die Ergebnisse werden wir veröffentlichen, um auch anderen zu ermöglichen, von unserem Projekt zu lernen.“

Die Methodik, die in unserem Projekt im Vordergrund steht, nennt sich „Dritter Ort“. Dahinter verbirgt sich der Wunsch, offene Orte zu schaffen, in denen Menschen gleichberechtigt mitwirken können. Diese Gleichberechtigung ist Dr. Çam sehr wichtig: „Eines der größten Probleme unserer Gesellschaft ist, dass Menschen durch Machtstrukturen diskriminiert werden,“ sagt er. „Diese Diskriminierung setzt sich dann immer weiter fort. Der Dritte Ort als Methode bietet vielleicht eine Chance, diese Prozesse aufzubrechen.“

Dr. Çam veranschaulicht mit einer persönlichen Geschichte, was der Dritte Ort vielleicht sein kann. Er erzählte uns von seiner Kindheit: „Ich wuchs in Istanbul auf, wo es viele politische Konflikte gab. Mein Vater zog deshalb 1980 mit uns in eine kleine Stadt in Thrace.“ Dort erlebte Dr. Çam die Schönheit und das Abenteuer der freien Natur: „Überall waren kleine Bäche und Teiche. Fischen zu gehen wurde das Größte! Wir hatten keine Angst mehr und erkundeten unbeschwert zusammen neue Pfade, die sich in den Jahreszeiten ständig veränderten.“ Dieses Erlebnis eines Ortes, der keine Hierarchien kannte, prägte Dr. Çam und er fragt sich: „Vielleicht war das mein persönlicher dritter Ort?“

Dr. Yüksel und Dr. Çam freuen sich auch schon sehr auf den Besuch bei uns in Aalen. „Wir möchten nicht nur unsere Erfahrungen austauschen, sondern auch andere Ideen kennenlernen – und natürlich die örtliche Kultur erleben,“ sagt Dr. Yüksel.

Dafür werden die beiden in Aalen viel Möglichkeit haben! Wir freuen uns drauf.

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