Ein englischer Widerstandskämpfer namens Hereward

Am 30. November hielt Prof. Dr. Dominik Waßenhoven von der Universität zu Köln den zweiten Vortrag in unserer Studium Generale Reihe zu Großbritannien: Geschichte, Konflikt, Brexit. Er sprach über „Engländer, Normannen und andere: Rund um die Eroberung von 1066.“

Welche symbolische Bedeutung die normannische Eroberung im Jahre 1066 heute noch hat (bzw. für manche haben kann) zeigte Dr. Waßenhoven gleich zu Beginn seines Vortrags, und zwar mit einem Bild des britischen Brexit-Politikers Nigel Farage. Darauf trug er eine Krawatte mit Darstellungen des berühmten Bayeux-Wandteppichs, der eben diese Eroberung darstellt.

Dr. Waßenhoven wies dabei sofort auf die Schwierigkeit der Begriffe hin: er werde zwar die von den Menschen des 11. Jahrhunderts bevorzugte Selbstbezeichnung als „Engländer“ benutzen, tue dies aber in Abgrenzung zum nationalistischen Gebrauch des Begriffs. Er sprach auch den Missbrauch des Begriffs „Anglo-Saxon“ durch White Supremacists an (s. Literaturtipps unten).

Besonders interessant war die Darstellung der historischen Figur des „Hereward“, der als Anführer von Rebellen gegen die Normannen, oder zumindest gegen die zentralisierte Herrschaft ausgehend vom Süden des Landes in die Geschichte einging. Später diente er als Inspiration für mehrere Romane, wie etwa „Hereward the Wake“ von Charles Kingsley im 19. Jahrhundert, mit Untertitel „The Last of the English“.  

Nachdem Hereward als literarische Inspiration ab 1950 etwas in Vergessenheit geriet, wurden seit dem Jahr 2000 14 Romane über ihn geschrieben. Einige der Zuhörer fragten sich, gegen wen in diesen modernen Zeiten Hereward Widerstand inspirieren sollte…

Die Vorlesungsreihe zu Großbritannien endet am kommenden Montag mit einem Vortrag zu Nordirland nach dem Brexit: Krieg oder Wiedervereinigung? mit Dr. Dieter Reinisch. Anmelden kann man sich noch bis Montag, 14.12.2020 um 12 Uhr.

Literaturtipps von Dr. Waßenhoven:  

Zur Geschichte Englands und der normannischen Eroberung:

Zur Wahrnehmung der normannischen Eroberung im 18. und 19. Jahrhundert:

  • Clare A. Simmons: Reversing the conquest. History and myth in nineteenth-century British literature, New Brunswick 1990.
  • Joanne Parker: Anglo-Saxonism and the Victorian Novel, in: The Oxford Handbook of Victorian Medievalism, hg. von Joanne Parker und Corinna Wagner, Oxford 2020 (http://dx.doi.org/10.1093/oxfordhb/9780199669509.013.38)

Zur Problematik des Begriffs „Anglo-Saxon“:

Zur White Supremacy und Mittelalterliche Geschichte:

Zur Frage, die im Anschluss an den Vortrag aufgekommen war, ob DNA-Analysen bei der Erforschung Englands im frühen Mittelalter weiterhelfen können, gibt es einen Beitrag von Duncan Sayer: Why the idea that the English have a common Anglo-Saxon origin is a myth

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