Daumen hoch heißt nicht überall „OK“: Interkulturelle Kompetenz

Im Oktober starten wir einen Blended Learning Kurs zur Interkulturellen Kompetenz. Blended Learning bedeutet, dass ein Teil des Kurses online stattfindet. „Damit kombinieren wir das Beste aus beiden Welten: Die Informationsvermittlung und theoretische Übungen finden online und zeitlich flexibel statt, während im Präsenzteil intensive praktische Übungen, Diskussionen und Simulationen das erworbene Wissen vertiefen“, erklärt Holger Witzenleiter, der Kursleiter.

Als Nachkomme von Menschen, die selbst als Flüchtlinge nach Deutschland kamen, kennt Holger Witzenleiter die die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Phänomene Migration und Integration. Er lebte in Budapest, London und – ganz wichtig – in fünf verschiedenen schwäbischen Gegenden. Seit 11 Jahren trainiert er Interkulturelle Kompetenz (IKK) und Interkulturelle Kommunikation an Volkshochschulen, in öffentlichen Verwaltungen, in der Industrie sowie an Hochschulen und Universitäten.

Kursleiter Holger Witzenleiter

Eigentlich wollte er 2008 und 2009 nur eine Fortbildung für seine Tätigkeit als Kursleiter für Wirtschafts- und technisches Englisch sowie Deutsch als Fremdsprache belegen. So kam er an die Volkshochschule Aalen, wo er auch die Qualifikation zum lizensierten Xpert-Culture Communication Skills® Trainer absolvierte. Inzwischen haben die Aufträge im Bereich IKK seinen Kalender weitestgehend übernommen.

Er hat selbst schon erlebt, wie schnell es zu einem (inter)kulturellen Kommunikationsproblem kommen kann. „Im Rahmen eines Seminars für ‚Intercultural Competency‘ in Teheran dozierte ich auf Englisch und wurde auf Farsi übersetzt,“ berichtet er. „Beim Soundcheck von Mikrophon und Kopfhörer wurde ich gefragt, ob ich den Übersetzer gut hören könne, worauf ich gestisch mit dem Daumen nach oben zeigte.“ Das Problem: die Geste „thumb up“ wird im Iran ähnlich verstanden, wie bei uns der Mittelfinger. Das passierte zum Glück vor dem Seminar und der Übersetzer war freundlich genug, darauf hinzuweisen. Im Seminar blockierte Holger Witzenleiter dann beide Daumen, um nicht versehentlich ein „missverständliches“ gestisches Feedback für Antworten zu geben…

Witzenleiter erzählt, dass in seiner Erfahrung Frankreich das Kulturschockland Nr. 1 für Manager der deutschen Automotiv-Industrie ist, wie Untersuchungen über abgebrochene Expatriate-Missionen zeigen. „Geografische Nähe hat also gar nichts mit kultureller Nähe zu tun“, sagt er. Entsprechend betreut er auch viele Firmen in Grenznähe, auch zur Schweiz hin. Wo wir Kulturen als „fern“ wahrnehmen, berichtet er, steigt auch unser Bewusstsein für Unterschiede, was den Umgang mit diesen Kulturen oft einfacher macht.

Im Kurs „Interkulturelle Kommunikation“ an unserer vhs werden die Teilnehmenden vor allem ihre eigene kulturelle Prägung kennen lernen, die uns meist und in weiten Teilen unbewusst ist. Die Kommunikationskompetenz wird in Fallbeispielen, Videoanalysen und Simulationen trainiert. Eine Bereitschaft, das eigene Weltbild zu hinterfragen, ist einem erfolgreichen Verlauf des Kurses durchaus zuträglich.

Anmelden zum Kurs kann man sich hier.

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