Erst der Kurs, dann der Hund

Am Mittwoch, 22.6. 2020 startet bei uns wieder der populäre Kurs „Erst der Kurs und dann der Hund“. Unsere Kursleiterin Angelika Prinz erzählt von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit Hunden – angefangen mit dem Zwergpudel ihrer Großmutter.

„Du musst wissen, dass du ein Hund bist“ pflegte meine Großmutter mit mahnend erhobenem Zeigefinger zu ihrem Zwergpudelchen zu sagen, wenn sie ihr die Überbleibsel ihres Mittagessens von ihrem Teller reichte. Wir wussten nicht, ob die kleine Diva die Ermahnung verstand, doch setzte sie ziemlich hündisch und oft auch blutig ihre 42 Argumente auf menschlicher Haut ein, wenn ihr etwas nicht in das hübsche Köpfchen passte. In der Erziehung lief damals auch sonst einiges schief, wir Enkelkinder versuchten nach Kräften mitzumischen, und die Erwachsenen nahmen die Marotten der Kleinen nicht sonderlich ernst und mehr oder minder als gottgegeben hin.

Einige Jahre später, da war ich schon 10, fanden wir beim Skilanglauf am Hirtenteich einen wohl ausgesetzten Hund, ein sehr hübscher und überaus freundlicher Collie-Mischling, der mich die restliche Kindheit begleitete. Beständig wähnten wir ihn eines unnatürlichen Todes bedroht, denn er hatte es wiederum auf seine Weise faustdick hinter den Ohren: Er war ein begnadeter Ausbrecher, Streuner und Jäger. Kein Zaun war ihm hoch genug, Türen konnte er öffnen und ein zum Lüften offenstehendes Fenster stellte lediglich eine Einladung zu einem Streifzug durch die Stadt Aalen dar. Er starb einen für uns unerwarteten Tod: Die damals erstmals über Deutschland ziehende Parvovirose, eine Krankheit, gegen die heute flächendeckend geimpft wird, raffte ihn dahin.

Nun zog eine junge Schäfermischlingshündin aus dem Tierheim Dreherhof bei uns zuhause ein. Sie war mein erster ganz eigener Hund, mit der ich begann, intensiv und auch erfolgreich Hundesport zu betreiben. Auch zum Studium nach Ludwigsburg begleitete sie mich und zeigte dabei eine ihrer wenigen unangenehmen Eigenschaften: sie litt unter Reiseübelkeit und mein kleiner Polo musste nach jeder Wochenendheimfahrt grundgereinigt werden.

Seinerzeit begann ich auch, als Trainerin im Verein ehrenamtlich anderen Hundehaltern bei der Erziehung ihrer Hunde zu helfen und lernte dadurch mehr und mehr Hunde, Rassen, Eigenschaften, Herausforderungen und Probleme mit Hunden kennen. „Ja gut, das ist nicht so ganz der richtige Hund für dich und deine Anforderungen!“ lag gesprochen oder unausgesprochen dabei ganz oft in der Luft.

Ein Husky will laufen, laufen, laufen; als Befehlsempfänger taugt er nur bedingt. Ein Schäfer- oder Hütehund wird durchaus ungemütlich, wenn die Balance zwischen nötiger Ruhe und Auslastung fehlt. Mit einem Herdenschutzhund Agility zu betreiben geht nur, wenn er seine Rassebeschreibung nicht gelesen hat. Der Ridgeback pubertiert halt oft jahrelang und nutzt hierbei auch mal die Kraft eines Löwenjägers. Ein Terrier im Mehrhundehaushalt kann unter Umständen reichlich in die Hose gehen. Und mit einem Malteser dürfte es schwierig sein, Hundesportpokale zu erringen.

Die Meinung, alle Hunde bzw. Rassen seien gleich, ist fatal, auch wenn es durchaus innerhalb einer Rasse ganz unterschiedliche Charaktere gibt, die sowohl auf Vererbung als auch Sozialisation und Habituation in den ersten Lebensmonaten beruhen.

Was es mit diesen letzten zwei Fachbegriffen auf sich hat, durfte ich mit meiner Großpudelin Ninja lernen, mein erster Rassehund. Sie hatte ich bewusst und mit Blick auf ihren Stammbaum ausgesucht, nachdem ich mit ihrer Vorgängerin, nochmals einer charakterlich wundervollen Schäfermischlingsdame, die zugleich liebevolle Nanny meiner damals kleinen drei Kinder war, das Thema Erbkrankheiten – in ihrem Fall schwere Hüftgelenksdysplasie – erleben musste.

Mit Ninja ging ich nun also auch in die Zucht, bestritt den Weg der „Zwingeranmeldung“ bei der FCI, belegte diverse Schulungen zum Thema, absolvierte die nötigen Gesundheitsuntersuchungen und Zuchttauglichkeitsprüfungen und suchte nach einem geeigneten Deckrüden. 9 Welpen brachte sie uns, das ist jetzt 7 Jahre her. Wir versuchten, ihnen alles mitzugeben, was Welpen in den so wichtigen ersten Lebenswochen brauchen, sie bekannt zu machen mit der spannenden Welt, in der sie sich später angst- und aggressionsfrei bewegen sollten und es glückte: Aus allen sind tolle Familienhunde geworden, mit deren Besitzern ich größtenteils immer noch Kontakt habe.

Dieses schon wieder neue und andere Wissen über Hunde machte mir Lust auf noch mehr. Eine Ausbildung zur Hundetrainerin sollte mir weiteren Input zum unerschöpflichen Thema Hund geben und ich schloss diese 2016 als Hundeerzieherin / Verhaltensberaterin IHK / BHV ab und bin seither auch als gewerbliche Hundetrainerin tätig.

Als solche lässt sich sicherlich am meisten Geld verdienen, wenn Menschen mit Problemen und Problemhunden zu einem kommen. Mir persönlich ist aber die Prävention viel wichtiger und auch ein weitaus befriedigerendes Betätigungsfeld als das langwierige und oft nur mit kleinen Erfolgen gekrönte Herumlaborieren an Verhaltensauffälligkeiten, unguten Mensch-Hund-Konstellationen, in den ersten Monaten verpassten Erziehungsmöglichkeiten….

Deshalb möchte ich so viele Menschen wie möglich im Vorfeld der Hundeanschaffung erreichen, ihnen das nötige Wissen und Rüstzeug vermitteln, um Problemen vorzubeugen, richtige Anschaffungsentscheidungen zu treffen und mehr über das faszinierende Wesen Hund zu erfahren.

„Erst der Kurs und dann der Hund“ ist insofern eine Herzensangelegenheit von mir, eine Möglichkeit für Hundeinteressenten, sich dieses Wissen unkompliziert und im direkten Kontakt mit mir anzueignen. Die Kurse gibt es bereits seit 2014 und inzwischen sind sie zu meiner Freude gut besucht, oft sogar ausgebucht. Besonders schön finde ich, dass ich nicht wenige der Teilnehmer später auch mit ihren dann angeschafften Welpen oder auch älteren Hunden im Training begleiten und unterstützen darf. Und die Hundeauswahl war bei diesen Kursabsolventen bislang immer weise….“

Leider ist es nicht mehr möglich, sich für den Kurs anzumelden. Am nächsten Termin basteln wir schon, also immer ein Auge behalten auf unsere Webseite www.vhs-aalen.de. Wir stellen dort laufend neue Kurse ein.

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